Der vereinsspezifische Wert von trainierbaren Spielern

The word VALUE, it is to be observed, has two different meanings,
and sometimes expresses the utility of some particular object,
and sometimes the power of purchasing other goods which the possession of that object conveys.
The one may be called 'value in use'; the other, 'value in exchange'.
Adam Smith

Die drei Fragezeichen

Im letzten Artikel habe ich den Wert von Talenten bei kostenlosem Training in ihrer ersten Saison und daraus den Wert eines Trainings berechnet. Drei Fragen beschäftigen mich nun, wenn ich den Wert eines trainierbaren Spielers ermitteln will: Wieviel vom Wert des Trainings darf ich dem Spieler zurechnen und welchen dem Trainings-WP? Dazu stellt sich aber auch die Frage, ob ich überhaupt die Stärketabelle für das Talent unverändert übernehmen darf. Denn wenn ich mir ein Talent kaufe, muß ich zwangsläufig meine anderen Spieler langsamer trainieren. Das ergibt sich aus der Anwendung des Grausewitz'schen Phänomenalsatzes: "Wenn ein [Trainings-WP] hier ist, kann er erst recht nicht woanders sein" (Professor Irrwahn Grausewitz, Leiter des Instituts für angewandten Wahnsinn, nobelpreisverdächtig 1971-1975).

Die dritte Frage ist die wohl wichtigste: Wie beeinflußt der vorhandene Mannschaftskader den Wert eines weiteren trainierbaren Spielers? Im letzten Artikel habe ich mich mit der Frage beschäftigt, für welche Vereine Talente grundsätzlich interessant sind. Aber es ist ja wohl nicht so, daß von diesen alle gleich dringend ein weiteres Talent benötigen. Ein Verein, der seine Talente aus der Vorsaison alle austrainiert hat und drei Feldtalente aufgebaut hat, braucht ein frisches Talent sicher dringender als derselbe Verein mit einem Hintermannschafts- und zwei Feldtalenten. Der erste wird ohne Frischfleisch bestimmt sogar mehrere F III 6 mehrfach trainieren müssen, und davon wird er sich kaum wieder erholen. Es spielt bei der Bewertung eines Talentkaufes also auch eine Rolle, in welche Spieler ich die Trainings-WP, die der Neue schlucken kann, ohne ihn stecken müßte.

Die drei Ausrufezeichen

Alle drei Fragen sind für die Bewertung eines trainierbaren Spielers für einen Verein interessant. Aber wie bringt wann sie im RWP-Modell unter? Zu allem Überfluß scheinen die drei Fragen miteinander zusammenzuhängen, das scheint eigentlich ein Fall für Dirk Gently zu sein...

Wenn man den Wert des Trainings auf Spieler und Trainings-WP aufteilt, kann man den vorhandenen Spielerkader gleich mitberücksichtigen. Maßgeblich für den Teil des Trainingswertes, den ich dem Spieler zurechne, sind dabei die Spieler, die ich trainieren müßte, wenn ich das neue Talent nicht kaufen würde. Dazu muß ich erst einmal abschätzen, wieviele WP ich vermutlich diese Saison einspielen werde. Die verteile ich dann auf den vorhandenen Mannschaftskader. Dann nehme ich die Anzahl der zugekauften Trainingsmöglichkeiten (bei einem nT 4 also sechs) und ersetze dieselbe Anzahl meiner schlechtesten Trainings beim bestehenden Kader. Der Wert, den das Training des Altstars hat, rechne ich dann dem Trainings-WP zu, der Rest geht an den Spieler. Ich ersetze also runden- durch vereinsspezifische WP-Kosten -- leichter wird die Rechnerei dadurch bestimmt auch nicht.

Beim im Artikel Siegwahrscheinlichkeiten im Pokalfinale beschriebenen Verein A sieht das folgendermaßen aus: Er wird etwa 35 WP einspielen, und kann trainieren: 32 * nT, 6 * I, 4 * II, und einen Schwung III. Er wird also 6 * I und 29 * nT trainieren und braucht kein Talent. Wenn er einen nT 6 kauft, ersetzt er damit nur Alter nT-Training durch Alter nT - Training. Der Wert, den die Trainierbarkeit des Spielers für den Verein hat, beträgt 0 kKj, und dann schlägt auch noch Grausewitz zu.

Anders liegen die Dinge bei Verein C. Er rechnet mit wenigstens 41 WP, mit denen er ohne Talentkauf 32 * nT, 2 * I und 7 * II trainieren wird. spielt er 2 WP mehr ein, muß er sogar schon Alter III trainieren. Wenn er so etwas machen würde, wäre er bestimmt nicht der starke Verein, der er ist. Der Kauf des nT 4 ersetzt sechs mal ein Alter-II-Training. Das Training der Alter-II-Spieler ist für den Verein C jeweils 495 kKj wert, das des nT 4 aber auch nur 519 kKj, nachzulesen im Artikel Vereinsinterne Fortbildung unter ökonomischen Aspekten. Entsprechend werde ich 495 kKj dem Trainings-WP zurechnen und nur (519-495) = 24 kKj dem Spieler. Der Spieler bringt dem Verein anders gesagt 7 * 24 kKj = 168 kKj dadurch, daß der seine Alter-II-Spieler nicht mehr zu trainieren braucht. Ein nT 6 würde dagegen imerhin 4 * (625-495) = 520 kKj an Trainingssubstitutionswert bringen.

Augenblick: Ich habe hier den Wert des Trainings eines F II 8 unterstellt. Aber wenn ich ihn auf neun trainiert habe, werde ich ihn doch auch noch auf zehn trainieren, und das Training ist bestimmt wertvoller. Bei einem F II 8 macht das vielleicht nicht viel aus, aber bei Talenten schon: Das Training des nT 2 am Anfang der Saison ist ja viel weniger wert, als wenn ich es am Ende der Saison von acht auf neun trainiere, oder? Darauf gibt es eine klare Antwort: Nein! Der Wert der Trainings des F nT 2 unterstellt ja gerade, daß der Spieler bis auf 10 hochtrainiert wird. Nur dann ist jedes einzelne Training soviel wert wie berechnet. Deshalb muß ich für den Wert des Trainings immer gerade den Wert annehmen, den es von der Stärke aus hat, den der Spieler unmittelbar nach dem Altern bzw. beim Zeitpunkt des Eintritts in die Mannschaft hat. Und der Eintritt in die Mannschaft ist bei selbstentdeckten Talenten in der Regel die dritte Saisonrunde.

Die Zahlen stimmen natürlich nur, wenn bis zum Zeitkauf des Talentkaufs meine Saisonplanung aufgegangen ist. Wenn ich dagegen während der Saison mehr WP einspiele als erwartet und deshalb ohne Talentkauf gegen Saisonende noch einmal Alter II trainieren müßte, muß ich den Wert eines Trainings-WP entsprechend niedriger mit dem Wert des späten Alter-II-Trainings ansetzen.

Es gibt noch ein unangenehmes Problem: Das Training in den ersten beiden Runden der Saison kann ich durch selbstentdeckte Talente überhaupt kein Altstartraining substituieren: Da werden die Burschen ja noch eingespielt! Aber was habe ich mit einem Talentkauf gewonnen, wenn ich sowieso sechs bis acht WP fix in Altstars investieren muß? Naja, wenn ich das Talent kaufe, habe ich Anfang der nächsten Saison mehr trainierbare Alter-I-Spieler. Damit kann ich in den ersten beiden Runden der nächsten Saison auf das Training von Alter-II- oder gar Alter-III-Spielern verzichten. Dabei muß ich natürlich auch berücksichtigen, welche Altstars ich Anfang der nächsten Saison im Kader habe. Nur wenn ich ohne Talentkauf mehr Altstars trainieren müßte, als ich in den ersten beiden Runden trainieren kann, kann ich schon in der aktuellen Saison auf ihr Training verzichten.

Für jedes Talent, das der Verein nicht bis bis zur dritten Runde der nächsten Saison bis auf 10 trainieren kann, ziehe ich dem Verein 100 kKj ab, für jedes Talent, das auch zur vierten Runde nicht schafft, sogar 500 kKj. Wem die Zahlen nicht gefallen, der kann natürlich andere verwenden -- besonders wichtig sollte ihre Höhe ohnehin nicht sein. In den Werttabellen steht der Posten als Potentialabschlag, weil es sich hier um einen Teil des Trainingspotentials handelt, der nicht (optimal) genutzt wird.

Mit diesem Ansatz sind alle drei Fragen auf einmal erschlagen: Der Wert des Training ist auf Spieler und Trainings-WP aufgeteilt, die bestehende Mannschaftsstruktur ist berücksichtigt, und auch Prof. Grausewitz ist genüge getan: Bei der Aufteilung des Trainingswertes habe ich ja berücksichtigt, daß ohne den neuen Spieler alte trainiert werden. Wer hätte gedacht, daß das alles so einfach geht? Ich nicht. Es zeigt aber sehr schön, wie mächtig und flexibel der Ansatz von Martin Ahlemeyer ist, schließlich will ich ja etwas grundsätzlich anderes damit erreichen als er. Dennoch läßt sich sich Alles, was mich interessiert, mit entsprechenden Annahmen und den dazugehörigen Anpassungen im Modell unterbringen. Damit hatte ich nicht gerechnet, als ich mit den Artikeln zum Spielerwert angefangen habe.

Der Wert trainierbarer Spieler

Endlich läßt sich der Wert trainierbarer Spieler bestimmen. Den Anfang macht Verein A. Für das F nT 2 in Runde 3 unterstelle ich 7 RWP weniger als für das in Runde 2. Der Wert seines Trainings beträgt damit für Verein A 406 kKj.

Verein A (1) F nT 2 in R02 F nT 4 in R05 F nT 6 in R08 F I 9 in R01
RWP bei opt. Training 112 108 103 94
NL-Wert + NLS-Wert 820 kKj 820 kKj 820 kKj 600 kKj
Gesamtwert 3620 kKj 3520 kKj 3395 kKj 2950 kKj
Wert der Trainings-WP 8 * 406 = 3248 kKj 6 * 406 = 2436 kKj 4 * 406 = 1624 kKj 406 kKj
Potentialabschlag 500 kKj 300 kKj 100 kKj 0 kKj
Wert des Spielers NL-Wert 784 kKj 1671 kKj 2544 kKj

Der F nT 2 ist für Verein A völlig wertlos, weil er ihn sowieso nicht vernünftig trainieren kann. So habe ich mir das gewünscht! Insgesamt scheinen mir die Werte aber zu niedrig angesetzt zu sein. Die Verzögerungskosten sind vor allem bei den schwachen Talenten einfach zu hoch, weil kein Mensch ein F nT 2 bis zu Saisonende auf 10 trainieren würde: ein Wert von sieben oder acht ist wesentlich realistischer und bringt für den Spielerwert 250 bis 400 kKj. Andererseits müßte man, wenn man ein langsameres Training unterstellen will, die Spieler komplett neu berechnen.

Spannend ist nun die Frage, wie Verein A reagiert, wenn er in einer Saison mit starkem Torwart und starkem Ausputzer spielt und deshalb drei Feldtalente aufgebaut hat. Ich unterstelle mal, daß er dann einen H II 8 mehr und dafür zwei F II 8 weniger hat. Dann wird er ohne Spielerkauf 24 * nT, 6 * I und 5 * II trainieren. Für den F nT 2 berechnet sich der Wert der Trainings-WP jetzt beispielsweise als 5 * 403 + 3 * 406 = 3233 kKj. Der Einfachheit halber behalte ich die Stärketabelle bei.

Verein A (2) F nT 2 in R02 F nT 4 in R05 F nT 6 in R08 F I 9 in R01
Gesamtwert 3620 kKj 3520 kKj 3395 kKj 2950 kKj
Wert der Trainings-WP 3233 kKj 2421 kKj 1612 kKj 403 kKj
Wert des Spielers 387 kKj 1099 kKj 1783 kKj 2547 kKj

Viel hat sich am Wert der Trainings-WP nicht geändert, schließlich ist ein Alter-II-Training ja fast so viel wert ist wie das Training der selbstentdeckten Talente. Der höhere Wert der schwachen Talente ist also allein dem fehlenden Potentialabschlag zu verdanken.

Jetzt nehme ich einmal an, Verein A hat eine recht erfolgreiche Saison hinter sich und hat mit 6 mehr Trainings-WP seine Alter-I-Spieler alle auf 10 trainieren können. Die Situation mit der starken Hintermannschaft behalte ich bei. In diesem Fall trainiert Verein A ohne Zukauf 24 * nT, 8 * II und 3 * III.

Verein A (3) F nT 2 in R02 F nT 4 in R05 F nT 6 in R08 F I 9 in R01
Gesamtwert 3620 kKj 3520 kKj 3395 kKj 2950 kKj
Wert der Trainings-WP 2930 kKj 2124 kKj 1318 kKj 305 kKj
Wert des Spielers 690 kKj 1396 kKj 2077 kKj 2520 kKj

Alle Spieler gewinnen noch einmal an Wert, besonders wieder die schwächeren. Diesmal ist das aber alleine dem Wert der Trainings-WP zu verdanken. Die drei Alter-III-Trainings, die ohne Talentkauf nötig wären, machen hier den Unterschied aus. Und wie ergeht es Verein C? Für ihn ist das Training seiner selbstentdeckten Talente 401 kKj wert.

Verein C (1) F nT 2 in R02 F nT 4 in R05 F nT 6 in R08 F I 9 in R01
RWP bei opt. Training 80 77 75 75
NL-Wert + NLS-Wert 820 kKj 820 kKj 820 kKj 600 kKj
Gesamtwert 3620 kKj 3515 kKj 3445 kKj 3225 kKj
Wert der Trainings-WP 3866 kKj 2970 kKj 1980 kKj 495 kKj
Wert des Spielers NL-Wert 545 kKj 1465 kKj 2730 kKj

Wow! Der Wert der Trainings-WP ist hier größer als der Wert des F nT 2 bei kostenlosem Training! Wie gibt es so etwas? Für Verein C ist das Training seiner Alter-II-Spieler mir 495 kKj deutlich wertvoller als das Training eines zusätzlichen Talents. Solange Verein C genug Alter II-Spieler hat, wird er lieber die trainieren, als sich ein schwaches Talent ans Bein zu binden. Aber auch Verein C können ja mal die Alter-II-Spieler ausgehen, etwa wenn er auch mit drei Feldtalenten in die Saison startet. Dann trainiert er ohne Talentkauf 24 * nT, 2 * I, 8 * II und 7 * III. Na, das sollte sich aber auf den Wert der Talente auswirken:

Verein C (2) F nT 2 in R02 F nT 4 in R05 F nT 6 in R08 F I 9 in R01
Gesamtwert 3620 kKj 3515 kKj 3445 kKj 3225 kKj
Wert der Trainings-WP 2070 kKj 1350 kKj 900 kKj 225 kKj
Wert des Spielers 1550 kKj 2165 kKj 2545 kKj 3000 kKj

Der eben noch völlig wertlose F nT 2 ist auf einmal über anderthalb Millionen Kujambel wert! Hauptsächlich liegt das daran, daß der Spieler bei Verein C (1) Alter-II-Training im Wert von je 495 kKj ersetzt hat, während er hier Alter-III-Training im Wert von je nur 225 kKj überflüssig macht. Allgemein kann man wohl sagen, daß der Werteffekt des Trainingspotentialbedarfs bei Verein C deutlich stärker ausgeprägt ist als bei Verein A, weil Alter-II-Training für ihn deutlich wertvoller ist als für Verein A, während gleichzeitig das Training von Alter III deutlich weniger wert ist als für Verein A. Zum Abschluß will ich noch einen F nT 8 in Runde 8 betrachten:

Die schwachen Talente explodieren förmlich im Preis. Kein Wunder, denn bei Verein C (1) mußten sie noch wertvolles Alter-II-Training ersetzen, das selbst beachtliche 495 kKj wert war. Hier ersetzen sie aber Alter-III-Training, das lediglich 225 kKj wert ist. Fast 300 kKj Wertunterschied macht das für jeden Trainings-WP aus. Das ist fast soviel, wie ein Trainings-WP laut OBERFOUL-Handelswerttabelle insgesamt wert ist! Allgemein kann man wohl sagen, daß der Werteffekt des Trainingspotentialbedarfs bei Verein C deutlich stärker ausgeprägt ist als bei Verein A, weil Alter-II-Training für ihn deutlich wertvoller ist als für Verein A, während gleichzeitig das Training von Alter III deutlich weniger wert ist als für Verein A. Natürlich ist ein Verein wie Verein C (2) auch ein extrem seltener Sonderfall. Zum Abschluß will ich noch einen F nT 8 in Runde 8 betrachten:

Verein F nT 8 in R08
Verein A (1) 2758 kKj
Verein A (2) 2752 kKj
Verein A (3) 2960 kKj
Verein C (1) 2735 kKj
Verein C (2) 3275 kKj

Es gibt also durchaus so etwas wie eine Tendenz, daß starke Talente eher zu Verein C gehen und schwache eher zu Verein A. Dieser Effekt wird aber sehr stark davon überdeckt, wie dringend ein Verein das Trainingspotential braucht. Wenn ein starker Verein ganz dringend Trainingspotential braucht, wird er auch einen genauso verzweifelten Durchschnittsverein überbieten. Festhalten kann man auch, daß Verein C seine Alter-II-Spieler viel lieber trainiert als Verein A -- würde er stattdessen ein Talent kaufen und trainieren, könnte er seine Klasse als 130-WP-Verein am Saisonende auch gar nicht erreichen. Ein weiterer Grund dafür, daß Verein A eher Talente und Verein C eher Alter-I-Spieler kauft, liegt wohl darin, daß die Talente bei Verein C einfach zu lange auf die Bank trainieren. Verein C kann nur Spieler mit Topstärken brauchen. Deshalb bringt ihm das Training eines F II 8 auch 60 kKj mehr als Verein C, was die Talente für ihn noch unattraktiver macht. Bei Verein A sind die letzten zwei WP von acht auf zehn dagegen nicht so entscheidend, für A ist vor allem wichtig, daß die WP lange im Verein bleiben. Dafür sind Talente natürlich der beste WP-Träger.

Zusammenfassung der Artikel zum Spielerwert

Was haben die Artikel zum Spielerwert Neues gebracht? Der Artikel Vermögenswirkungen der Personalfluktuation hat noch einmal den Wert austrainierter Spieler betrachtet. Die Wertdifferenzen zum Ansatz Michael Schröpls sind aber unbedeutend, weil er letztlich auch nur eine haarspalterisch unbedeutende Abweichung von diesem berücksichtigt. Hier ist auch nicht mehr mit bahnbrechenden Neuerungen zu rechnen. Michael Schröpls RWP-Ansatz wird hier sicher ohne Alternative bleiben. Dasselbe gilt für Martin Ahlemeyers Ansatz und Einschätzungen zum Wert von Hintermannschaft.

Der Artikel Vereinsinterne Fortbildung unter ökonomischen Aspekten hat den Wert des Trainings neu beleuchtet. Er hat einen grundlegend anderen Blickwinkel als der Ansatz von Martin Ahlemeyer und damit gewisse Vorteile, aber auch einige unschöne Nachteile diesem gegenüber. Dasselbe gilt für den Wert trainierbarer Spieler, den der Artikel Der vereinsspezifische Wert von trainierbaren Spielern betrachtet hat.

Zwei Verfahren zur Wertbestimmung trainierbarer Spieler stehen nun im Raum. Worin unterscheiden sie sich, und wozu sind sie zu gebrauchen? Der Schlüssel ist der Wert der Trainings-WP: In den Anmerkungen zum Spielerwert wird der Wert eines Runden-WP pauschal für das Ligasystem festgelegt. Er schwankt zwar in Abhängigkeit vom Saisonzeitpunkt, ist aber für alle Vereine gleich viel Wert. Die implizite Annahme, die dahinter steht, ist die, daß ein Verein nur dann auf einen trainierbaren Spieler bietet, wenn er dessen Trainingspotential auch vollständig gebrauchen kann. Ein Verein mit hohem Bedarf an Trainingspotential wird nur auf schwache Talente, ein Verein mit geringerem Bedarf nur auf starke Talente oder Alter-I-Spieler bieten.

Wenn um die Spieler nur Vereine mit gleich hohem Bedarf an Trainingspotential konkurrieren, wird der RWP-Wert wieder das entscheidende Kriterium, welcher Verein den Spieler vom GM-Angebot bekommt. Normalerweise kann der so ermittelte Wert direkt als Gebot für das GM-Angebot übernommen werden, weil der Wert eines Trainings-WPs für alle Vereine des Ligasystems der gleiche ist. Voraussetzung für dieses Verfahren ist natürlich, daß die Vereine auch wissen, wie dringend sie Trainingspotential benötigen. Außerdem sollten die Bedürfnisse der Vereine auch über das GM-Angebot befriedigt werden können: Wenn 2/3 der Spieler vom GM-Angebot F nT 2s sind und sonst gar keine trainierbaren Spieler angeboten werden, funktioniert der Ansatz so auch nicht mehr.

Der im Artikel Der vereinsspezifische Wert von trainierbaren Spielern vorgestellte Ansatz trifft eine grundlegend andere Annahme bezüglich des Wertes eines Trainings-WP: Er ist nun abhängig vom Trainingspotential und Trainingspotentialbedarf des betrachteten Vereins. Die Ergebnisse, die der Ansatz liefert, müssen deshalb grundsätzlich anders interpretiert werden. Grundsätzlich kann der Wert eines Spielers für den Verein nach diesem Ansatz aber deutlich über dem Preisniveau für solche Spieler liegen, wenn der Verein dringend Trainingspotential benötigt.

Damit ergeben sich Probleme: Natürlich wird man nicht 1000 kKj mehr als den üblichen Preis auf einen Spieler bieten. Hier kann man ja gerade so etwas wie einen Gewinn erzielen, wenn man weniger bietet und den Spieler trotzdem bekommt. Aber deshalb nach dem Schema "min (Wert; Preisniveau)" zu bieten, ist auch nicht zielführend. Immerhin kann dieser Ansatz einem Verein, der sich verjüngen will, die Frage beantworten, ob dafür ein F nT 4 oder ein F nT 6 grundsätzlich attraktiver ist. Das ist natürlich der Spieler, bei dem die Prämie (Wert - Preisniveau) größer ist. Die Frage, wieviel er dann für jeden der beiden Spieler bieten soll, kann er dagegen nicht direkt beantworten.

Die wirklich elementaren und weitreichenden Entscheidungen nimmt ohnehin keiner der beiden Ansätze dem Manager ab: Soll er diese Saison um die Meisterschaft kämpfen oder die Mannschaft verjüngen und nächste Saison angreifen? Soll er um den Klassenerhalt kämpfen oder schon mal Substanz für die nächste Saison eine Liga tiefer aufbauen? Der jüngere Ansatz kann dazu Entscheidungshilfen leisten, aber er kann keinesfalls durch die Spielerwerte automatisch bestimmen, für welche Strategie sich ein Manager entscheiden sollte. Insofern ist die Bezeichnung "Wert" bei der Wertbestimmung von Spielern irreführend, denn Wert hat ein Spieler nicht per se, sondern immer für ein konkretes Ziel -- ob das nun "Klassenerhalt" heißt oder "Meistertitel in der übernächsten Saison".

Kritik und Erweiterungen

Welche Annahmen sind bei diesem Modell zur Spielerwertberechnung zweifelhaft? Zuerst einmal halte ich es für arg problematisch, einfach den Erwartungswert der Trainings-WP in der nächsten Saison zu nehmen und damit dann stur zu rechnen. Wieviel WP ich tatsächlich einspielen werde, hängt ja nicht unwesentlich von meinem Glück ab. Und da macht es eben schon einen Unterschied, ob ich ohne den Kauf eines F nT 6 von meinen vier F II 8 genau zwei oder genau vier WP trainieren muß. Im ersten Fall verliert den F nT 6 deutlich an Wert, wenn ich vier WP weniger einspiele als geplant, wenn ich dagegen vier mehr als geplant einspiele, beeinflußt das den Wert des F nT 6 überhaupt nicht. Im zweiten Fall spielen vier zusätzliche WP keine Rolle, vier fehlende aber lassen den Wert des F nT 6 dagegen deutlich ansteigen. Dem Problem läßt sich teilweise beikommen, indem ich die Anzahl der WP, die ich einspielen werde, als eine um ihren Erwartungswert streuende Zufallszahl betrachte. Für den Wert des Trainings kann ich dann einen Erwartungswert berechnen, der anstelle des deterministisch bestimmten Trainingswertes im Modell berücksichtigen kann. Wirklich glücklich bin ich damit aber auch nicht, weil ich diesen Erwartungswert dann wieder als Datum verwenden muß. Insgesamt scheint mir das Modell erschreckend empfindlich, schon kleine Änderungen bei den Vereinsdaten haben heftige Folgen. Vermeiden läßt sich das aber wohl kaum.

Außerdem würde ich einen kleinen Puffer unterstellen, etwa in der Form, daß ein Verein immer etwa ein paar WP mehr in trainierbaren Spielern zur Verfügung hat, als er erwartet, an Trainings-WP einzuspielen. Denn die tatsächliche Anzahl eingespielter Trainings-WP kann ich nun mal nicht sicher vorhersagen, und wenn ich am Ende der Saison noch einmal einen Alter-II- oder gar Alter-III-Spieler trainieren muß, ist das Training nicht mehr besonders wertvoll. Daß dieser Puffer nicht zu groß werden darf, haben die in diesem Artikel bestimmten Spielerwerte allerdings deutlich gezeigt. Der Wert der Trainings-WPs würde bei einer solchen Annahme natürlich dahinschmelzen wie Butter in der Mikrowelle, und besonders die schwachen Talente würden ordentlich an Wert gewinnen.

Problematisch ist auch die Annahme, daß das Training des zugekauften Spielers das Training eines Altstars direkt ersetzt. So einfach ist es in der rauhen United-Wirklichkeit natürlich nicht: Ein neues Talent wird die ganze Saison hindurch trainiert, die Altstars dagegen nur am Anfang einer Saison. Diese zeitliche Lücke wird durch ein verlangsamtes Training der selbstentdeckten Talente geschlossen. Da das verlangsamte Training der selbstentdeckten Talente eine direkte Folge des Spielerkaufs ist, müßte ich sie eigentlich bei der Bewertung des neuen Spielers berücksichtigen.

Und was kostet das verlangsamte Training der eigenen Jugend? RWP-Wirkung, und zwar abhängig von der Runde und der Vereinsstärke. Wenn ich unterstelle, daß ich Altstars nur bis Runde 3 trainiere, muß ich für den Teil des Trainings des neuen Spielers, der zwischen Runde 4 und Runde 11 stattfindet, berücksichtigen, daß ohne den neuen Spieler die selbstentdeckten Spieler früher ins Stammteam kommen würden. Sobald alle Talente im Stammteam sind, entstehen keine weiteren Kosten: In welches Talent dann ein Trainings-WP gesteckt wird, ist für die Mannschaftsstärke dann ja egal. Insgesamt werden Verein A vielleicht Kosten in Höhe von 3 RWP pro Trainings-WP entstehen, für Verein C nur 2, weil seine Talente erst später ins Stammteam kommen. Ein Beispiel:

F nT 2 in Runde 2 Verein A Verein C
Spielerstärke als nT 0-3-3-4-5-6-7-7-8-9-10 0-3-3-4-5-6-7-7-8-9-10
Verzögerungskosten 7 * 3 * 25 = 525 kKj 7 * 2 * 35 = 490 kKj

Es liegt auf der Hand, daß diese Erweiterung des Modells vor allem schwache Talente trifft und ihren Wert deutlich reduziert. Ich bin mir dennoch ziemlich sicher, daß diese Erweiterung sinnvoll und notwendig ist. Gerade die F nT 4 und F nT 5, die beim Grundmodell für viele Vereine deutlich mehr wert wären als der Handelswert vermuten ließe, werden dadurch ordentlich abgewertet. Die schwachen F nT 2 und F nT 3 wären dann nur noch für Vereine interessant, die Trainingspotential wirklich ganz, ganz dringend benötigen. Beides scheint mir durchaus wünschenswert.

Was passiert eigentlich, wenn der Kauf eines trainierbaren Spielers ganz oder teilweise das Training der selbstentdeckten Talente ersetzt? Während das Training eines F II 9 eben stattfindet oder auch nicht, wird man ein F nT 2 nicht einfach untrainiert lassen -- der Wert seines Training besteht ja denn auch nur unter der Bedingung, daß es in einem bestimmten Rhythmus hochtrainiert wird. Der Wert, den ich für einen Trainings-WP als Wert eines Talenttrainings unterstellt habe, ist also falsch. Weil nur der Trainingsplan durch den Spielerkauf verändert wird, müßte entsprechend der Wert des verzögerten Trainings berücksichtigt werden. Vermutlich ist die Näherung aber ganz passabel.

Was fehlt in dem Ansatz noch, damit man ihn ohne weiteres Nachdenken beim Spielerkauf einsetzen kann? Nun, er unterstellt, daß ein RWP einen konstanten Wert besitzt. Das ist aber nicht richtig, wie die Artikel zum Einspielen von Talenten gezeigt haben, etwa beim Vergleich von Heim- und Auswärtsspiel im Artikel Geballtes Mittelmaß. Für den superstarken Verein ist ein RWP nicht nur teurer, er bringt ihm auch weniger. Am meisten bringt mir eine Verstärkung wohl dann, wenn ich ohne sie schwächer als die Durchschnittsvereine in meiner Liga bin, mit der Verstärkung aber etwas stärker. Und das hängt nicht nur von meinem Verein ab, sondern auch von meinen Ligakonkurrenten und vom Saisonzeitpunkt. Wenn mein Verein beispielsweise in seiner Liga schon überdurchschnittlich stark ist und eine größere Steuerzahlung droht, kann der Kauf eines Talentes möglicherweise sinnvoll sein, obwohl das Modell eher zu einem Altstar rät.

Außerdem müßte auch mal der Zusammenhang zwischen der Stärke der Feld- und der Hintermannschaftsspieler geklärt werden, und zwar für den betrachteten Verein und seine Ligagenossen. Daß man natürlich auch überprüfen muß, ob der Spieler überhaupt in die Mannschaftsstruktur paßt, versteht sich von selbst. Ich halte sogar eine Integration des Trainingsplans in die Spielerbewertung für sinnvoll, selbst bei austrainierten Spielern, die auch die optimale Trainingsreihenfolge beeinflussen können. Man kann dabei GM-Spieler unter Berücksichtigung der vorhandenen Mannschaftsstruktur bewerten und simultan den Trainingsplan für die nächsten Runden optimieren, um die Standardtaktiken möglichst gut abbilden zu können.

War das Alles? Schön wärs. Vereine, die mit drei Feldtalenten in die Saison starten, sind in ihrem Training auch sehr unflexibel. Dazu kommt, daß der Verein auch in späteren Saisonrunden noch Altstars trainieren muß, wenn er 4 WP in einer Runde zu trainieren hat, selbst wenn er noch genug Trainingspotential für die Saison hätte. Daher müßte man beim Wert eines trainierbaren Spielers für diesen Verein einen Potentialaufschlag berücksichtigen. Außerdem wird der Trainingsrhythmus, den ich als ja-nein-ja-ja-ja-ja-nein-ja unterstellt hatte, kaum bei Verein A der gleiche sein wie Verein C, der ja über viel mehr Trainings-WP verfügt. Ein Verein ohne Hintermannschaftstalent wird auch einen schnelleren Rhythmus verfolgen können als ein Verein mit Hintermannschaftstalent. Andere Dinge, wie die Berücksichtigung von Pokalspielen oder die Abzinsung späterer Saisons, sind grundsätzlich ja schon geklärt und sollen hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Der Vollständigkeit halber? Mit Sicherheit gibt es noch einen ganzen Heuwagen anderer wertrelevanter Faktoren, die ich vergessen habe.

Der Ansatz hat viele Rädchen, an denen man drehen kann -- vor allem, wenn man die Erweiterungen mitberücksichtigen will. Damit läuft man natürlich auch Gefahr, so lange an diesen Rädchen zu drehen, bis das Modell die Werte der Handelswerttabelle sauber reproduzieren kann. Ob die Ergebnisse dann auch sachlogisch sinnvoll sind und damit als Entscheidungshilfe taugen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Gerade bei den Verzögerungskosten habe ich aber auch grundsätzliche Bedenken, ob ich damit die Wertwirkungen des Nichttrainings selbstentdeckter Talente korrekt berücksichtigt habe. Bei allen diesen Rädchen läßt sich zumindest trefflich über ihre monetäre Bewertung streiten. Ihr Wert ist oft nicht unerheblich, aber im Detail doch schwer zu ermitteln, was den praktischen Nutzen des Modells doch stark einschränkt. Von der aufwendigen Handhabung will ich gar nicht reden. Ein Teil der Erweiterungen disqualifiziert sich schon dadurch, daß in der Regel die dafür notwendigen Informationen fehlen oder sie nur noch mit speziell dafür geschriebener Software zu berechnen wären. Kurzum: Ich bin einfach mit der Gesamtsituation unzufrieden. Damit der Ansatz alle relevanten Auswirkungen eines Talentkaufs halbwegs korrekt und mit vertretbarem Aufwand beschreiben kann, müßte noch geklärt werden, welche der Erweiterungen überhaupt explizit im Modell berücksichtigt werden sollten, wie man sie im Modell unterbringt und in welcher Höhe man sie ansetzen muß.

Andererseits glaube ich schon, daß der Ansatz in die richtige Richtung weist. Daher will ich ihn an den GM-Angeboten der beiden Ligasysteme, in denen ich spiele, ausprobieren. Mal sehen, wie er auf Inflation und auf Sonderspieler reagiert. Ganz nebenbei kann man ja auch mal sehen, was das F nT 4 in Runde 5 macht, wegen dem die ganzen Artikel zum Spielerwert überhaupt geschrieben worden sind. Bei welchem Verein wird es landen? Die ebensowenig überraschende wie befriedigende Antwort kann natürlich nur heißen: "Kommt ganz darauf an". Zu welchem Verein bestimmte Spielertypen eher tendieren, kann man unter einigen Annahmen aber doch einmal betrachten. Die hier berechneten RWP-Preise werden aber weder in JOBST (GM: Martin A. Rotarius) noch in KROUNT (GM: Florian Lenz) realistisch sein, was eine Umwertung aller Werte nötig macht.

 

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