In the old Soviet Union they used to say that anything that wasn't forbidden was compulsory;
the trick was to remember which was which.
In the West we've always congratulated ourselves on taking a slightly more relaxed, commonsense view of things,
and forget that common sense is often just as arbitrary.
You've got to know the rules.
Douglas Adams
Betrachtet man die Regelwerke von United-Ligasystemen im deutschsprachigen Raum, so fallen zwei Dinge auf: Erstens scheinen fast alle Regelwerke direkt von den Oberfoul-Regeln abzustammen. Und zweitens scheint es kein Ligasystem zu geben, das die Regeln völlig unverändert übernimmt. Häufig werden die Regeln eingeleitet mit dem Satz "Es gelten die Oberfoul-Regeln mit folgenden Einschränkungen und Erweiterungen". Meist handelt es sich nur um kleine Änderungen, wie z. B. eine Geldprämie für den Torschützenkönig. Sonderregeln können aber auch massiv in den Spielmechanismus eingreifen.
Wie wirken sich Sonderregeln auf das Spiel aus? Die Frage stellt sich für den Manager, der sich entscheiden muß, in welchem Ligasystem er mitspielen will; die Frage stellt sich aber auch für den Spielleiter, der wissen möchte, ob eine neue Sonderregel etwas Abwechslung in sein Ligasystem bringt oder stattdessen seine Manager bevormundet. Vielleicht hebt sie sogar das Regelsystem aus den Fugen. Im Idealfall entsteht so ein völlig neues Spiel (vgl. z. B. die Regeln in MSWL), im schlimmsten Fall wird das Spiel völlig unspielbar.
Eines haben alle Sonderregeln gemeinsam: Sie machen es schwieriger für Manager, in einer großen Zahl von Ligasystemen gleichzeitig zu spielen. Wer kann schon den überblick über 20 verschiedene Systeme behalten, wenn jedes System ein halbes Dutzend eigener Sonderregeln hat? Und je stärker die Sonderregeln in den Spielmechanismus eingreifen, desto schwieriger wird es für Multi-Manager, den Überblick zu behalten. Wer vergißt, daß es eine kleine Prämie für den Torschützenkönig über 100 kKj gibt, wird seine Mannschaft kaum entscheidend schwächen; das Ignorieren eines Ausputzerwürfels von W20 oder einer geänderten Härtematrix wird sich jedoch schnell auf die Substanz der Mannschaft auswirken.
Das läßt sich natürlich auch positiv formulieren: Ein Manager, der sich auf ein einzelnes oder eine kleine Anzahl von Ligasystemen konzentriert, profitiert von Sonderregeln. Er hat die Zeit, die Auswirkungen im Detail zu analysieren, und sie sich zunutze zu machen. Je mehr Sonderregeln es gibt, je komplexer sie sind und je größer ihre Auswirkungen sind, desto größer ist der Vorteil gegenüber dem mehrfach engagierten Teamchef.
Die Bevorzugung der Spezialisten gegenüber den Allroundern unter den Managern mag durchaus erwünscht sein: Wer sich die Arbeit macht, regelmäßig als Spielleiter eine United-Partie auszuwerten, hofft vielleicht auch darauf, daß sich seine Mitspieler mehr als fünf Minuten im Monat mit ihrer Mannschaft beschäftigen. Sonderregeln sind da sicher eine geeignete Maßnahme.
Ein Spiel wie United lebt von dem, was der Entwickler des Computer-Civilization, Sid Meier, einmal als "interessante Entscheidungsmöglichkeiten" bezeichnet hat: Soll ich meine Mannschaft durch einen starken Altstar kurzfristig verstärken oder mit einem Talent auf eine goldene Zukunft hoffen? Soll ich Härte auf den Torwart packen, um Torchancen des Gegners zu vereiteln, oder lieber die Feldspieler treten lassen, um selbst mehr Torchancen zu bekommen? Oder soll ich stattdessen ganz auf Härte verzichten, damit die Mannschaft ohne Sperren in die Spiele der nächsten Runde gehen kann?
Viele Sonderregeln beeinflussen die Attraktivität einzelner Alternativen, die mir die Entscheidungsmöglichkeiten eröffnen. Wenn Spieler des Alters III+ nur 4 Stufen pro Saison altern, steigt ihr Wert relativ zu Talenten. Eine Sonderregel kann auch die Bedeutung einer vorhandenen Entscheidungsmöglichkeit für den Spielerfolg steigern oder reduzieren. Wenn Feldtalente für 0,5 WP pro Stufe bis Stufe 20 trainierbar sind, verlieren die taktischen Wahlmöglichkeiten an Bedeutung gegenüber den Wahlmöglichkeiten beim Aufbau und der Entwicklung des Spielerkaders: Denn wer erst einmal einen überlegenen Kader zusammengestellt hat, kann ohne besonderes Risiko durch die Saison stürmen. Eine interessante Sonderregel kann aber auch völlig neue Entscheidungsmöglichkeiten für Manager schaffen, oder ihnen vorhandene nehmen. Ein Beispiel für eine solche Sonderregel ist die 3-Punkte-Regel.
Damit sind die Kriterien zur Beurteilung einer neuen Sonderregel auch schon beisammen: