Der Fußball in United

Something's going on here for sure...
and it's not a ball game!
Dark Avenger

United, die Fußballsimulation

Darüber, ob United eine Fußballsimulation ist oder nicht, ist im United-Forum hinreichend gestritten worden. Daß es bei United um (Profi-)Fußball geht, wird aber niemand abstreiten. Damit ist aber auf jeden Fall interessant zu beobachten, welche Effekte, die im Profifußball auftreten, von United nachgebildet werden.

Der Artikel Superstars in der Amateurliga? von Michael Schröpl im United-Forum hat den interessanten Effekt aufgezeigt, daß bei einem Verkauf eines spielstarken Jungstars von einem Dorfverein an eine Spitzenmannschaft beide Vereine profitieren können. Der Fußball begegnet dem interessierten United-Manager in den unterschiedlichlichsten Situationen. Zwei Beispiele, die ich besonders interessant finde, will ich hier beschreiben.

Sperren und taktische Ausrichtung

Ein Bundesligaverein, dem ein wichtiger Spieler wegen einer Sperre fehlt, wird nicht selten die ganze taktische Ausrichtung über den Haufen werfen. Wenn der brillante Mittelstürmer, der fast alle seine Tore mit dem Kopf erzielt, auf der Tribüne sitzt, kann sich der Verein bestimmt auch die beiden Flügelstürmer sparen: Was nützt die schönste Flanke, wenn niemand da ist, der sie verwerten kann? Auch wenn der Abwehrregisseur fehlt, wird häufig die Mannschaft völlig umgekrempelt. In United macht es ebenfalls häufig Sinn, bei einer Sperre eine neue Taktik auszuprobieren.

Ein Beispiel: Verein A stürmte bisher auswärts mit T6 - A10 - V(10+4) - M(10+4) - S(10+10+8+8+6) und kommt damit auf ein 14-14-42. Alle Spieler in S können auch M, weil er zuhause Mittelfeld spielt, und ein S4 sitzt auf der Bank. Jetzt wird der M10 gesperrt. Welch eine Katastrophe! Die Sturmaufstellung ist bei Änderungen der Mannschaftsstruktur besonders anfällig, weil man dann in S deutlich stärker als die (mindestens zwei) gegnerischen Verteidiger und der gegnerische Ausputzer zusammen sein muß. Je weniger WP man auf den Platz stellen kann, desto mehr schmerzt der gegnerische Ausputzer. Deshalb ist auch bei Sturm mehr als bei allen anderen Aufstellungen jeder an die 3:1-Regel verschenkte WP ein verlorener WP. Und jetzt kann der Verein nur noch 14-14-36 stürmen, was bei den meisten Hintermannschaften wenig attraktiv ist. Gegen einen Gegner mit der gleichen Hintermannschaft ist man so gegen jede gegnerische Standardtaktik unterlegen. Dafür kann er einem auf 45 stürmenden Gegner mit einem 35-14-12 immerhin noch ein Unentschieden abringen. Auch das von vielen GMs gerngeschmähte unterlegene Auswärtsrasenschach kann hier gute Dienste leisten, wenn man die Taktik des Gegners nicht einschätzen kann.

Auswirkungen der Drei-Punkte-Regel

Obwohl Alan Parr bei der Entwicklung von United noch nichts von einer Drei-Punkte-Regel ahnen konnte, würde sie in United dasselbe bewirken wie im Profifußball: Offensive Aufstellungen würden deutlich attraktiver. Wie kommt das? Ganz einfach: Die Taktiken in United sind in United so konstruiert, daß offensive Aufstellungen mit einer größeren Wahrscheinlichkeiten für einem Sieg oder einer Niederlage der Mannschaft führen, die diese Taktik spielt. Defensive Aufstellungen führen dagegen häufiger zu einem Unentschieden. Dieser Zusammenhang war von Alan Parr mit Sicherheit genau so geplant, und weil bei der Drei-Punkte-Regel Unentschieden weniger wert sind, werden die defensiven Aufstellungen weniger attraktiv. Es ist schon beeindruckend, wenn eine Fußballsimulation nicht an neue Fußballregeln angepaßt werden muß, weil sie mit den Änderungen auch ohne Anpassung fertig wird.

Ein grobes Foul

Auch jenseits der Bundesliga wird Fußball gespielt. Gerade in den untersten Spielklassen wird Fußball sehr ernst genommen: Wenn es um einen Sieg in der C-Klasse geht, nimmt man auch gerne mal eine ernste Verletzung eines Gegenspielers durch ein grobes Foul in Kauf -- man weiß schließlich aus Erfahrung, daß die Gerichte bei Fußballverletzungen grundsätzlich nicht auf Körperverletzung entscheiden, und für einen Sieg muß man schließlich alles tun. Bei jedem Regelverstoß wird abgewogen, ob Strafandrohung und das Risiko des Erwischtwerdens den möglichen Nutzen des Verstoßes übersteigen oder nicht.

Wer sich das nicht antun will, spielt eben in einer Freizeitmannschaft außerhalb des organisierten DFB-Fußballs. Nach meiner Erfahrung gibt es dort nirgends explizit festgelegte Regeln, die den Umfang "Wer zu erst 10 Tore macht, gewinnt, mit zwei vor" übersteigen. Dennoch gibt es keine absichtlichen Fouls, Handspiele, Schwalben und ähnlichen Unfug. Natürlich will man auch hier gewinnen, aber es hat sich doch die Ansicht durchgesetzt, daß ein Sieg nur dann etwas wert ist, wenn er fair und sauber herausgespielt worden ist. Das funktioniert, obwohl nirgendwo eindeutig festgelegt worden ist, was mit "fair und sauber" genau gemeint ist. Im beschaulichen Aschaffenburg gibt es mindestens ein Dutzend solcher Feierabendmannschaften, in größeren Städten soll es sogar komplette Ligasysteme außerhalb des DFB-Systems geben.

In United scheint sich inzwischen ebenfalls weitgehend die Meinung durchgesetzt zu haben, daß man bestimmte Dinge einfach nicht tut, obwohl sie nirgendwo explizit verboten sind. Auch hier liefert der Profifußball Vorbilder, etwa bei abgesprochenen Spielen (Bundesligaskandal) oder dem An-die-Wand-Fahren eines Vereins für den kurzfristigen Erfolg (SSC Neapel). Die Zahl der Schlitzohren, die einen Pfuschhandel als "genialen Coup" betrachten, scheint jedenfalls stark eingedampft zu sein, wenn man den Zeitzeugen im United-Forum glauben schenken mag. Daß implizite Regeln von verschiedenen Managern unterschiedlich interpretiert werden, liegt auf der Hand und ist auch gar nicht schlimm. Da gilt es, locker zu bleiben: "Bleib geschmeidig, sei doch nicht beleidigt". Der Grundkonsens scheint heute immerhin breit genug zu sein, daß auch wertvolle Torjägerprämien angeboten werden können, ohne daß Seilschaften und Regelfüchse gleich den Sinn der Veranstaltung aushebeln. Früher war alles besser, in der guten alten Zeit? Und an Halloween steigt der große Kürbis auf aus dem schönsten Kürbisfeld von allen, und er bringt den Kindern, die brav waren, Geschenke...

 

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